Dienstag, 15. August 2017

Der Wanderer - Trudi Canavan

Titel: Der Wanderer
Autorin: Trudi Canavan
Originaltitel: Angel of Storms
Verlag: Penhaligon
ISBN: 978-3764531065
Euro: 19,99
Veröffentlichungsdatum: November 2015
Seiten: 704
Serie: Die Magie der tausend Welten 02
Come in: Vom Verlag










Inhalt

Rielle lebt seit fünf Jahren im Exil, wo sie sich als Weberin hat ausbilden lassen. Sie trauert ihrem alten Leben noch hinterher, hat sich aber mit den Gegebenheiten arrangiert. Dann geschieht das Unglaubliche: Der große Valhan kehrt zurück, er, der die Welten einst beherrschte und dann vor Jahrzehnten verschwand. Für Rielle ist er allerdings kein Unbekannter. Die Einwohner der Welten sind alarmiert, denn kaum noch jemand hat sich an die von Valhan geschaffenen Gesetze gehalten und alle erwarten vielfältige Bestrafungen.
Valhan nimmt Rielle mit, wird aber unterwegs von ihr getrennt, so dass sie sich auf einem einsamen Planeten wiederfindet. Dort wird sie von einer Gruppe Welten-Nomaden gerettet, deren Sohn des Anführers, Baluka, sich in sie verliebt. Sie hätte ein sicheres, behütetes Leben, doch sie empfindet nicht das Gleiche für ihn. Und Valhan hat noch einiges mit ihr vor.
Tyen hat sich nie weit von Pergama, dem Buch, das einst eine lebende Frau gewesen ist, entfernt. Er hat seine magischen Fähigkeiten verbessert und eine Akademie besucht. Als Valhan zurückkehrt, formiert sich schnell Wiederstand, dem sich auch Tyen anschließt. Doch der große Zauberer stöbert ihn auf und verspricht ihm, Pergama wieder zurückzuverwandeln, wenn Tyen als sein Spion bei den Rebellen verbleibt. Schweren Herzens geht der junge Mann darauf ein. Doch dann kann er sein Versprechen nicht halten und alles scheint verloren.


Meinung


Auch in Band 2 der "Die Magie der tausend Welten"-Trilogie unterteilt Trudi Canavan das Buch in einzelne Abschnitte mit mehreren Unterkapiteln. Diesmal eines weniger und Rielle beginnt, auf der generell der Fokus der Handlung liegt. Eben jene setzt fünf Jahre nach dem Ende von Band 1 "Die Begabte" an. Nur kurz wird zusammengefasst, wie Rielle in dieser Zeit gelebt hat und dass sie nur eine Freundin besitzt und sonst nicht viel. Schnell kehrt Valhan zurück und es wechseln Ort und Begebenheiten, was ein klein wenig abrupt geschieht. Danach wechselt das Geschehen rund um Rielle ebenfalls recht sprunghaft, was damit zu tun hat, dass sie zwischen den Welten hin und her springt. Dabei ist ihr der Nomadenstamm über den Weg gelaufen und inmitten dieser Leute kann sie die Welten und ihre sehr unterschiedliche Lebensweise kennenlernen. Entwicklungsstand, Vegetation, Politik und Co. sind dabei oft auf völlig verschiedenen Leveln. Es verträgt sich seltsamerweise recht gut miteinander, aber wirklich oft und viel wird ohnehin nicht gewechselt.
Rielle wird schließlich von Baluka umschwärmt, der ein klein wenig jünger ist und in ihr seine Zukunft sieht. Er findet sich damit ab, dass sie nicht die gleichen Gefühle für ihn hegt, bietet ihr aber Schutz und ein gutes Auskommen. Rielle scheint das auf den ersten Blick genug, doch sie erinnert sich gut an ihre Zeit mit Izare und das war echte Liebe. Zudem stellt Valhan sie vor die Wahl: Sie solle erst einmal ansehen, was sie ausschlagen würde, würde sie Baluka ehelichen. Sie glaubt zudem auch, dass es ihm gegenüber nicht fair wäre.
Tyen werden viele Seiten im Buch gewidmet, aber müsste in kurzen Worten zusammengefasst werden, was eigentlich rund um ihn passiert, wäre das ganz einfach in nur einem Absatz möglich. Seine Kapitel ziehen sich mitunter wie dunkler Honig, denn wirklich handeln tut er nicht. Sehr schade ist, dass erst so viel rund um sein Buch Pergama im ersten Band aufgebaut wird, nur um diesen Erzählstrang hier völlig zu vernachlässigen. Pergama selbst kommt nur ganz wenige Male zu Wort. Es scheint, als wäre sie nur Mittel zum Zweck, als solle sie dafür sorgen, dass Tyen eine Motivation bekommt, sich auf Valhans falsches Spiel einzulassen. Mehr wird ihr aber leider tatsächlich nicht zugestanden, was doppelt schade ist, denn allein die Idee rund um ihre "Person" ist grandios. Seine inzwischen sehr intensive Beziehung zu dem Buch wird daher auch nur gesagt, aber nicht richtig gezeigt.
Was genau für eine Geschichte erzählt wird, ist noch immer schwer zu erkennen. Gegen Ende schien es um die Liebe und das Zusammenleben zu gehen, denn Rielle durchdenkt mehrere Szenarien und auch Tyen wird gewarnt, er solle sich nicht so sehr auf Pergama einlassen, da er sonst womöglich unfähig zu einer Beziehung zu einer echten Frau wäre. Läuft die Trilogie tatsächlich "nur" darauf hinaus? Aber außer diesem Umstand und der Rückkehr Valhans ist es schwer, etwas als roten Faden auszumachen.
Erst kurz vor Ende geschieht dann noch etwas Unerwartetes, das alle bisherigen Erzählstränge auflöst und erklärt. Das eigentliche Ende - Tyen und Rielle dürfen sich endlich kurz über den Weg laufen - scheint endgültig, als sei alles erzählt worden, was zu erzählen war.
Trudi Canavan vermag es leider nicht, das Niveau des guten Vorgängers zu halten. Noch immer wird schlicht von zwei Figuren in einer (mehreren) Fantasywelt erzählt, bei denen schwer zu fassen ist, was genau eigentlich erzählt wird. Obwohl es mit einigen Längen zu kämpfen gilt, läuft die Geschichte am Ende befriedigend aus.



Die Magie der tausend Welten
1. Thief’s Magic (Die Begabte)
2. Angel of Storms (Der Wanderer)
3. Successor's Promise (Die Mächtige)


Trudi Canavan wurde 1969 im australischen Melbourne geboren. Sie arbeitete als Grafikerin und Designerin für verschiedene Verlage und begann nebenbei zu schreiben. 1999 gewann sie den Aurealis Award für die beste Fantasy-Kurzgeschichte. Ihr Erstlingswerk, der Auftakt zur Trilogie Die Gilde der Schwarzen Magier, erschien 2001 in Australien und wurde weltweit ein riesiger Erfolg. Seither stürmt sie mit jedem neuen Roman die internationalen Bestsellerlisten. Allein in Deutschland wurden bislang über 2,5 Millionen Bücher von Trudi Canavan verkauft.

Freitag, 11. August 2017

Söldnerehre - Rachel Bach

Titel: Söldnerehre
Autorin: Rachel Bach
Originaltitel: Honor's Knight
Verlag: Heyne
ISBN: 978-3453318410
Euro: 9,99
Veröffentlichungsdatum: Juli 2017
Seiten: 512
Serie: Die Paradox-Saga 02
Come in: Vom Verlag









Inhalt

Deviana Morris ist nun schon seit einer geraumen Weile als Sicherheitschef auf der Glorreicher Narr. Nachdem sie ihren Kollegen begraben musste, beauftragt der Captain sie, einen neuen Mitarbeiter anzuwerben. Auf diese Arbeit kann sie sich nur schlecht konzentrieren, denn sie hat das Gefühl, dass irgendetwas ihre Gedanken blockiert und ihr ein Teil ihrer Erinnerungen zu fehlen scheint. Sie vermutet, dass es mit dem Schiffskoch Rupert Charkow zu tun hat, denn immer, wenn sie ihm ins Gesicht blickt, überfällt sie eine starke Übelkeit. Und auch mit der geheimnisvollen Tochter des Captains, die unerwartet mindestens eine Schwester hat, die ihr zum verwechseln ähnlich sieht. Devi setzt alles daran, ihre Erinnerungen zurückzuerlangen. Doch als sie sie dann hat, ist nichts mehr wie es einmal war.

Meinung


Bei "Söldnerehre" handelt es sich um den zweiten Band einer als Trilogie angelegten Reihe. Frei von Spoilern kann diese leider nicht sein.
Das Geschehen setzt verwirrend nahtlos an den Vorgänger an, was sich nur überlesen lässt, wenn nicht allzu viel Zeit zwischen den beiden Büchern liegt. Es erfolgt keine Kurzzusammenfassung und auch während des Fortlaufs des Textes werden keine Informationen wiederholt. Ich muss zugeben, damit hatte ich zunächst ein paar Probleme. Dann aber gelingt es leicht, schnell wieder in die Handlung zu finden. Hier jedoch geschieht erst einmal nicht besonders viel und es wird deutlich, dass die Autorin wohl eher eine weibliche Zielgruppe im Auge hatte, denn die Anlagen für einen Liebesroman sind nicht zu übersehen. Dabei sind Devi und Rupert ein gleichberechtigtes Paar und sie lässt sich nicht um den Finger wickeln, sondern zieht ihr eigenes Ding bis zum Schluss durch, sprich er muss sich ihr anpassen und seine Handlungen überdenken, wenn er sie bei sich halten will. Da aber auch Rupert ein (langes) Leben hinter sich hat und zudem diverse Verpflichtungen eingegangen ist, scheint das nicht so einfach zu sein. Ein klein wenig weichgespült erscheint er daher in diesem Band, was ihm aber gut steht und seine Kampfeskünste nicht schmälert.
Dann erhält Devi ihre Erinnungen zurück und spätestens ab hier nimmt die Story rasant an Fahrt auf. Die Söldnerin scheint einfach niemandem mehr vertrauen zu können und erfährt nicht nur von einem galaxisweiten Feind, der ganze Planeten zerstören kann, sondern auch, dass sie den Schlüssel zu seiner Vernichtung in den Händen hält. Das hat natürlich nicht ganz unerwartet mit der Tochter des Captains zu tun und dem Geheimnis, das sie und andere, die sind wie sie, mit sich herumträgt. Deviana möchte den Mädchen helfen, scheint dabei allerdings die Einzige zu sein; damit steht sie quasi zwischen allen Fronten.
Es folgen diverse Scharmützel und sogar ganze Schlachten, die Völker treffen aufeinander und schließlich läuft der Roman in einem befriedigendem Showdown aus. Der allerdings immer noch Fragen offenlässt und bereits im Folgeband, dem Abschluss, die Entscheidung verspricht. Rachel Bach hat mit "Söldnerehre" einen guten Mittelband geschrieben, der sich erst ein wenig gemächlich anlässt, dann jedoch rasant an Fahrt aufnimmt und den Leser nicht mehr loslässt.


Paradox-Trilogie:
1. Fortune's Pawn (Sternenschiff)
2. Honor's Knight (Söldnerehre)
3. Heaven's Queen (Kommando, Nov. 2017)


Rachel Bach, das Pseudonym von Rachel Aaron, wuchs in Atlanta auf und wollte schon früh Schriftstellerin werden. Sie entschied sich für das Schreiben, und lebt mit ihrem Sohn, ihrem Mann, ihrem Hund und einer von Büchern berstenden Bibliothek zurzeit in Athen.

Dienstag, 8. August 2017

(Autorenplausch) Betty Berger: Magenta Zwiebelberg

Titel: Magenta Zwiebelberg: ein Märchen
Autor: Betty Berger
Originaltitel, 272 Seiten
ISBN: 978-3740728168
Euro: 8,45













Eigentlich fing alles mit Winnetou an.

Immer waren es Abenteuerromane. Abenteuer mit Indianern, Abenteuer in fernen Ländern, Abenteuer im Mittelalter, Abenteuer im Weltraum, auf fernen Planeten, auf fernen Planeten mit Drachen, Abenteuer mit Magiern und Drachen auf fernen Planeten ...

Gelandet bin ich bei meiner Reise durch den märchenhaften Kosmos dann auf Sir Terry Pratchetts Scheibenwelt, diesem buntesten aller Universen und gleichzeitig unserem so ähnlich. Aber auch die Scheibenwelt wäre ohne Vorgänger nicht möglich gewesen, weil sich auch eine Art zu denken erst in den Gehirnen der Leute einnisten muß. Per Inspirationspartikel, vermutlich. Zu Terry Pratchetts Vorgängern gehören für mich zum Beispiel Douglas Adams, Robert Sheckley und Robert Asprin, die den Humor und die Satire in die Science-Fiction- und Fantasy-Literatur brachten, sowie die (natürlich auch britischen!) Fernsehserien „Mit Schirm, Charme und Melone“ (im Original „The Avengers“) und „Doctor Who“. Ganz besonders mag ich aber den Roman „Die fliegenden Zauberer“ von Larry Niven und David Gerrold, aus dem Jahre 1971, der als eine der ersten SF-Geschichten Magie und Technik als zwei Seiten derselben Medaille beschreibt und in dem es ein Astronaut auf einem fernen Planeten mit einem Zauberer zu tun bekommt, dessen Magie der Wirkmächtigkeit der Technologie seines Raumschiffs in nichts nachsteht.

Geschrieben habe ich ungefähr seit ich dreizehn bin. Mein erste Geschichte war eine Science-Fiction Geschichte. Dort begegnete meine Heldin einem Außerirdischen, der auf der Erde gestrandet ist und mit dem sie sich eine Seele teilt, allerdings im wahrsten Sinne des Wortes: per Seelenwanderung wurde sie nach ihrem Tod auf einem anderen (natürlich fernen) Planeten wiedergeboren! Und durch die lange Reise durchs All und die Zeitverschiebung gab es diese Seele nun zweimal. Diese Geschichte hat – zum Glück! - nie auch nur jemand im Ansatz und von weitem zu Gesicht bekommen.

Überwiegend habe ich dann Kurzgeschichten und Märchen geschrieben. Zum Teil ziemlich absurde Märchen. Auf meiner Homepage gibt es ein paar Kostproben. Und eine Leseprobe von „Magenta Zwiebelberg“.

Vielleicht fühlt sich jemand bei Magenta Zwiebelberg an Terry Pratchetts Tiffany Weh erinnert, da die Welt, in der sie lebt eine sehr englische ist, genau wie Pratchetts Scheibenwelt. Es schadet also nichts, wenn man eine britische Landschaft vor Augen hat, wenn man Magenta Zwiebelberg liest. Oder eine schottische. Mit einem großen, großen, geheimnisvollen See, eingebettet in eine Gegend voller Weiden mit Schafen und Kühen ...

Dort lebt also Magenta Zwiebelberg, meine Heldin. Ein Mädchen, ein junges Mädchen, eher noch ein Kind, ein ganz besonderes, ungewöhnliches Mädchen. Nicht, weil sie etwas besonderes ist (Prinzessin) oder kann (seiltanzen, zaubern o.Ä.), sondern weil sie, im Gegenteil, etwas ganz alltägliches, etwas, worüber andere nicht einmal nachdenken müssen, nicht kann: Steine, die sie ins Wasser wirft, hinterlassen keine Ringe.

Das macht sie zur Außenseiterin. Sie wird gemobbt, verhöhnt, gemieden ausgeschlossen. Sie ist den anderen Kindern und auch den erwachsenen Bewohnern der ländlichen Gegend, die sich zwischen Sarfan-See und Wolkenhorn erstreckt, einfach unheimlich. Aber eine Hexe ist sie deshalb noch lange nicht. Auch wenn ihr Vater versucht, sie bei Fräulein Drollich, der örtlichen Hexe, als Lehrling unterzubringen.

Wer im Science-Fiction und im Fantasy-Genre am liebsten knallige Special-Effects, unter denen man die Handlung nicht mehr sieht, erwartet, wird bei „Magenta Zwiebelberg“ wahrscheinlich ein wenig enttäuscht sein. Auch flammensprühende Zauberstabduelle à la Harry Potter gibt es in dieser Geschichte nicht. Zwar passiert auch jede Menge Magisches und es kommen sogar Zwerge vor, Hexen und ein Neidrymhör, aber hauptsächlich geht es um Magenta und darum, wie sie gerade durch ihre Eigenart zur Heldin wird und ihre Reise durchs und den Weg aus dem Labyrinth finden kann.

Ich möchte aber nicht allzu viel von der Handlung verraten, es soll ja spannend bleiben, deshalb hier nur noch schnell der Klappentext:

Die Steine, die Magenta Zwiebelberg ins Wasser wirft, verschwinden seltsamerweise, ohne Ringe zu hinterlassen, nur mit einem leisen ,plb', unter der Wasseroberfläche. Doch macht sie das schon zu einer Hexe?
In diesem Sommer lähmt eine schrecklichen Dürre das „Land-Diesseits-der-Berge“. Der sonst so tiefe Sarfan-See trocknet aus und gibt den Zugang zu einem verborgenen Labyrinth frei. Das darin Schlummernde, längst Vergessene, erwacht und findet hungrig seinen Weg zu den Menschen.
Auf einmal erweist sich Magentas Nichtfähigkeit als ausgesprochen nützlich und sie begibt sich auf den langen Weg durchs Labyrinth.