Samstag, 21. Oktober 2017

Covergleichheit: Anlegen und Zielen

Beim Stöbern auf einem englischsprachigen Blog (leider weiß ich nicht mehr welchem) stieß ich auf dieses Cover und erkannte es sofort wieder. Wenig später lief es mir erneut über den Weg ... Wirklich viel Unterschied besteht, sieht man von der Farbigkeit und dem Zoom ab, nicht. Die dazugehörigen Klappentexte klingen mitunter ähnlich gleichförmig.



 

Donnerstag, 19. Oktober 2017

(DVD) Sieben Minuten nach Mitternacht

Titel: Sieben Minuten nach Mitternacht
Regisseur(e): Juan Antonio Bayona
Darsteller: Lewis MacDougall, Toby Kebbell, Felicity Jones, Liam Neeson, Sigourney Weaver
Sprachen: Deutsch, Englisch
Euro: je nach Anbieter
Veröffentlichungsdatum: Oktober 2017
Produktionsjahr: 2016
Spieldauer: 105 Minuten (3 DVDs)
FSK: 12
Come in: Agentur








Patrick Ness hat ein gefühlvolles Buch geschrieben, dessen Idee von Siobhan Dowd stammt. Bevor die Autorin diese jedoch umsetzen konnte, erkrankte sie an Krebs und starb. Die Krankheit beherrscht alles an dieser Geschichte, ohne den Krebs gäbe es sie nicht. "Sieben Minuten nach Mitternacht" wurde 2016 filmisch umgesetzt und ist ab 19. Oktober 2017 als DVD, Blu-ray und digital anzuschauen.

Connor ist dreizehn und sein Leben geprägt von Ängsten. Seine Mutter ist schwer erkrankt und er fürchtet um ihre Gesundheit. Er fürchtet ebenso die großen Jungs an seiner Schule, die ihn fast täglich verprügeln. Er fürchtet seine Großmutter, bei der er schon bald wohnen soll und er fürchtet, den Kontakt zu seinem Vater, der in Übersee eine neue Familie gegründet hat, endgültig zu verlieren. Was er allerdings am meisten fürchtet ist der Albtraum, der ihn in seine tiefsten seelischen Abgründe reißt und dem er nicht entkommen kann. Als ihm seine Mutter erzählt, dass die uralte Eibe vor seinem Fester magische Kräfte besitzt, träumt er, dass diese sich in ein riesiges Monster verwandelt - das zu ihm spricht. Es kommt um sieben Minuten nach Mitternacht und erzählt ihm drei Geschichten, die Connor dazu bringen, über sich selbst und sein Umfeld nachzudenken. Und sich so letztendlich auch mit seinem Schmerz und dem Alb auseinanderzusetzen.

Großes Highlight dieses Films ist Lewis MacDougall, der den Connor spielt. Gerade einmal zwölf Jahre alt bei Drehbeginn, hat der junge Mann ein Jahr zuvor seine eigene Mutter an den Krebs verloren. Wie schwer es ihm fiel, die Rolle zu besetzen, kann ich nicht ermessen, er spielt Connors Ängste und Gefühle aber außerordentlich authentisch und berührend.

Die Grundidee der Story ist durchdacht und bewegend. Die Umsetzung ein wenig zu viel von allem. Connor hat einfach alles zu ertragen, nicht nur die Krankheit der Mutter und deren Zuspitzung, die Prügel in der Schule, die strenge Großmutter, sondern dann auch noch den Besuch des Vaters und dessen Blockung zwecks Aufnahme in der neuen Familie. Es ist schlicht nicht einfach, sich auf eines davon zu fokussieren, immer wieder kommt noch etwas obendrauf, wo doch eigentlich nur eines im Mittelpunkt stehen sollte. Auch wirkte es dadurch leider immens aufgesetzt und einfach "gemacht". Es gibt bildgewaltige Szenen, die nur darauf hinzuarbeiten schienen, noch mehr auf den Tränenknopf des Zuschauers zu drücken. Ich glaube wirklich, dass es sich um eine wichtige und ans Herz gehende Geschichte handelt, die der Zielgruppe (ältere Kinder) in einer ähnlichen Situation Mut machen kann. Die filmische Umsetzung ist nur leider über das eigentliche Ziel hinausgeschossen.

Connor ist sehr jung, durchschnittlich, Scheidungskind mit einer sehr einfühlsamen und kreativen Mutter. Als sie erkrankt, bemüht er sich redlich, das alltägliche Leben aufrecht zu erhalten, ist jedoch schnell überfordert. So wirklich hat er niemanden, mit dem er darüber reden kann, was ihn selbst bewegt und tief in sich drin weiß er, dass es nur einen Ausweg gibt, den schlimmsten, natürlich. Seine Großmutter kümmert sich sehr um ihre Tochter und ihren Enkel, es wird leider nicht erklärt, weshalb die beiden ein so schlechtes Verhältnis zueinander haben. Die Rolle der reifen Frau ist ziemlich eng gesteckt, so dass Sigourney Weaver leider nur mäßig Raum erhält, ihre Fähigkeiten unter Beweis zu stellen.
Die Situation an der Schule wird schön gelöst und unterstreicht Connors Charakterisierung, vielleicht hätte es nicht geschadet, hier noch ein bisschen anzusetzen.
Connors Vater geht reichlich unter, spielt für das Geschehen allerdings auch keine wirkliche Rolle.

Im Mittelpunkt der Handlung steht der Junge, der sich mit sich und seiner Lebenssituation auseinandersetzen muss und dessen in seinem Alter nicht gewachsen ist. Das Monster, dem im Original Liam Neeson seine Stimme geliehen hat, ist so real wie die Bedrohung, die sich vor Connor aufgebaut hat. Er lernt mit jeder Geschichte, er fokussiert, er akzeptiert schließlich. Aber bis dahin ist es ein weiter Weg und es gibt schlicht nur das eine mögliche Ende. So betrachtet ist der Film bereits in der Anfangsszene, dem Albtraum, der den Jungen heimsucht, erzählt, wer hier vermutet wie es weitergehen könnte, wird nicht irren. Vorhersehbar ist daher, was gezeigt wird, aber es wird bildlich hervorragend umgesetzt gezeigt. Das ist ein weiteres Highlight, dem man sich kaum zu entziehen vermag.

So wird eine gefühlvolle Geschichte mit sehr ernstem Thema in bunten, sehenswerten Bildern erzählt, bei der am Ende dann auch ein Tränchen verdrückt werden muss. Insgesamt jedoch scheint der letzte Kick zu fehlen, ist es leider nicht eine dieser ganz besonderen Erzählungen geworden, die man nie vergisst und darum jedes Jahr zu den Feiertagen im TV anschauen darf. Sie ist ein bisschen zu sehr übers Ziel hinausgeschossen, berichtet nichts Neues und fummelt ein bisschen zu sehr an der eigenen Grundaussage herum.
"Sieben Minuten nach Mitternacht" ist ein sehenswerter Film, hätte aber noch ein bisschen mehr gekonnt.


Dienstag, 17. Oktober 2017

Die Stadt der tausend Treppen - Robert Jackson Bennett

Titel: Die Stadt der tausend Treppen
Autorin: Robert Jackson Bennett
Originaltitel: The Divine Cities 01: City of Stairs
Verlag: Bastei Lübbe
ISBN: 978-3404208616
Euro: 11,00
Veröffentlichungsdatum: Februar 2017
Seiten: 624
Serie: Die göttlichen Städte 01
Come in: Geschenk









Inhalt

Die einst wunderschöne, göttliche Stadt Bulikov ist nur noch ein Schatten ihrer selbst, seit das Volk der Saypur sich gegen die Unterdrücker wandte und alle Götter tötete. Mit diesen starb auch deren Magie und all die Gaben, die sie brachten, verschwand - was zahllose Katastrophen auslöste. Heute sind die Saypuri die Herrscher und verbieten jegliche Religion zusätzlich zu harten Regelungen und Maßnahmen; die Stimmung unter den Bewohnern Bulikovs, die sich gut an die Erzählungen aus der Glanzzeit erinnern und die unter großer Armut zwischen den Trümmern der einstigen Paläste leben müssen, ist hochexplosiv.
In dieser Zeit wird ein berühmter Historiker aus Saypur in Bulikov ermordet und seine ehemalige Schülerin Shara Thrivani wird zur Aufklärung in die Stadt geschickt. Sie ist eine Geheimagentin im Auftrag des höchsten Herrschers und selbst mit einer Blutlinie geschlagen, deren Offenbarung ihren Tod bedeuten kann. Als Shara begreift, dass ihr Lehrer die Vergangenheit um das Verschwinden der Götter untersucht hat und dabei auf ein brisantes Detail gestoßen ist, wird ihr klar, dass sie eine Entscheidung treffen muss, die in das Schicksal beider Völker eingreifen wird.


Cover

Das Cover muss unbedingt erwähnt werden, weil es sich hierbei um ein kleines Kunstwerk handelt. Das ist mir zugegeben zunächst völlig entgangen, bis ich glaubte, das Buch sei schon nach kurzer Zeit beschädigt - was allerdings auch daran liegt, dass ich Bücher, über denen eine dünne Folie liegt, nicht mag.
Hier jedoch hat Guter Punkt (München) ein mehrdimensionales Cover geschaffen, das sich sehen lassen kann. Die Darstellung hat mit dem Inhalt viel gemeinsam, denn die meisten Gebäude Bulikovs waren gottgeschaffen und als die Götter starben, verschwanden ganze Gebäude und Gebäudeebenen ins Nichts (mit den darin enthaltenen Menschen). Zurück blieben unfertige Paläste und Wohnstätten, die nicht repariert werden konnten.
Das Buch hat zunächst also ein Bild von Katarzyna Oleska zum Motiv, über das eine Folie gelegt wurde, auf die mit schwarzem Strich die Umrisse der einstigen prachtvollen Bauten zu sehen sind. Beides überlagert sich, wie es auch in der eigentlichen Geschichte der Fall ist.
Allein für die Idee meine volle Hochachtung, gefällt mir sehr, für die Umsetzung ebenfalls.